Superzellenverdacht am 28.05.2007

Analysen bereits eingetretener, vergangener Wetterereignisse.
enager
Site Admin
Beiträge: 61
Registriert: 05.10.2016, 11:33

Superzellenverdacht am 28.05.2007

Beitragvon enager » 06.10.2016, 10:35

In diesem Beitrag geht es um ein Wetterereignis, welches ich so schnell nicht vergessen werde. Zunächst vorweg, was ist eine Superzelle? Eine Superzelle ist ein sehr starkes Gewitter. Oft bringt eine Superzelle extremen Starkregen (50l/m² binnen kurzer Zeit und mehr), viel Wind, bis Orkanstärke kann dabei sein und… Hagel. Der Hagel kann verheerende Größen annehmen. Von Erbsengröße, bis Faustgröße ist alles denkbar.

Superzellen entstehen am ehesten im Sommer in schwül-heißer Luft zur Abendzeit. Im Idealfall gab es in den Tagen zuvor ein beständiges Hoch, so dass der Boden und die bodennahe Luft sich extrem aufheizen. Hochs haben eine Eigenart, welche gerade im Winter für Hochnebel sorgt: die Inversion. Eine Inversion ist, wenn in der Höhe die Luft nicht mehr wie gewohnt mit der Höhe kälter wird, sondern dort oben irgendwo eine Warmluftschicht lagert. Im Winter bildet sich an dieser Grenze Hochnebel und der Tag wird trotz Hoch neblig trüb und grau. Im Sommer allerdings, ist die warme Luftschicht sehr trocken und verhindert damit die Wolkenbildung. Die Warmluftschicht verhindert weiterhin, dass die Wolken wachsen können. Bildet sich weiter unten eine Schauerwolke und diese stößt an die Inversion, so kann sie nicht anders, als sich unter dieser Grenzschicht auszubreiten.

An besonders heißen Tagen und bei besonderen Wetterlagen kann es nun aber passieren, dass die Wärme der Luft, dem Schauer/Gewitter so viel Energie zur Verfügung stellt, dass die Inversion durchbrochen werden kann. Kommt es dazu, legt das Gewitter nach dem Durchbruch eine nahezu explosionsartige Entwicklung hin. Da die Inversion die Bildung weiterer Schauer/Gewitter bisher verhindert hat, steht dem jungen Unwetter die gesamte Wärmeenergie der bodennahen Luftmassen zur Verfügung.

Am 28.05.2007 gab es tagsüber viele Schauer, teils Gewitter. Hohenwalde allerdings, wurde immer nur gestreift und bekam fast nichts von den Niederschlägen ab. Um 20 Uhr begannen die Schauer und Gewitter, in sich zusammen zu fallen und ich dachte, das wäre es für diesen Tag gewesen. Um 22 Uhr sah ich auf dem Niederschlagsradar allerdings ein Gewitter, welches auf Hohenwalde zu steuerte und immer heftiger wurde. Da ich mal wieder Blitze fotografieren wollte, öffnete ich das Dachfenster und wollte mittels Langzeitbelichtung Blitze fotografieren. Was ich dann auf dem Speicher meiner Kamera sehen sollte, versetzte mich in Angst und Aufregung:

Bild
Da war sie. Die Superzelle. Man sieht sehr schön die Kegelwolke, welche an der eigentlichen Bewölkung zu hängen scheint. Diese Kegelform der unteren Wolke spricht eindeutig für Rotation und es hätte sich jederzeit ein Tornado ausbilden können.

Bild
Nur Minuten später sah die Sache schon wieder anders aus. Die Organisation ging verloren, es bildeten tiefe Wolken und die Gefahr eines Tornados wurde immer geringer.




Dies war der Originaltext, den ich einst verfasst hatte. Leider gingen die Radarbilder mit der Zeit verloren. Allerdings ist das Originalposting im Wetterzentraleforum noch immer aufrufbar: Link ins WZ-Forum Dort wurde letztlich spekuliert, dass es sich wohl um eine nur sehr kurz existierende Superzelle handelte. Kaum hatte sie sich gebildet, schon löste sie sich auch schon wieder auf. Auch besser so. Denn Superzellen bringen nicht selten extreme Fallböen, extreme Niederschlagsraten, großen Hagel und sogar die Möglichkeit von Tornados mit sich. Kurz gesagt, Extremwetter mit großem Schadenspotenzial.

Zurück zu „Wetteranalysen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast